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Geld ist geprägte Freiheit…

Zu Stefan Ruhkamp: Was kostet das Geld?

…meinte Fjodor Dostojewski 1860 in seinen „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“.
Interessanterweise kommen in der Diskussion meist nur die Kosten und Gefahren (Raub) zur Sprache, die der Bargeld-Umlauf mit sich bringt. Unerwähnt bleiben dagegen die Kosten und Gefahren, die im Zusammenhang mit elektronischem Geld stehen. Der Unterschied ist ganz einfach: Die Kosten des Bargeld-Umlaufs zahlen im wesentlichen die Banken. Die Kosten für den Gebrauch elektronischen Geldes tragen nicht zuletzt die Verbraucher, indem sie Kreditkartengebühren entrichten. Zudem werden üblicherweise Gebühren je Buchung fällig, die vom Handel zu tragen sind. Also läßt sich mit der Bereitstellung von elektronischem Geld viel Geld verdienen…

Siehe auch Sina Westphal: Wie viel Geld ist das Geld wert?

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Wirtschaftsgeschichte und Kliometrie

Zu Rainer Hank: Clio rettet uns

Prima, daß hier auf die Bedeutung von Wirtschaftsgeschichte (wozu auch Finanz- und Geldgeschichte zu zählen sind) aufmerksam gemacht wird! In der Tat profitiert dieser Wissenschaftsbereich von der derzeitigen Abfolge von Krisen, indem ihm vermehrte Aufmerksamkeit zuteil wird. Freilich bedeutet das nicht notwendigerweise, daß man aus der Geschichte etwas lernen wollen würde. Der konsequente nächste Schritt, nämlich das Gelernte in Politik umzusetzen, ist leider noch seltener zu beobachten. Andreas Wirsching, der Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, hat dieses Dilemma elegant dergestalt in Worte gefaßt, daß „das, was wir mittlerweile historisches Erfahrungswissen nennen können, […] relativ wenig abgerufen“ wird.

Was den Inhalt des Beitrags anbetrifft: Der Einwand von Herrn Braunberger gegen die Relevanz ausgerechnet der Habsburger für die Umschuldungsfrage scheint aus den von ihm genannten Gründen sehr berechtigt. Ein unlängst erfolgreich beendetes Projekt der Göttinger Akademie der Wissenschaften hat ein auch in dieser Hinsicht außerordentlich lehrreiches mehrbändiges Handbuch der zahllosen Dynastien, Residenzen, Höfe, Grafen und Herren des deutschen Raumes erstellt. Darin finden sich diverse Belege dafür, daß Überschuldung und Bankrott immer wieder zum Verschwinden der davon betroffenen Gebiete von der Landkarte führten. Das war eher die Regel als die Ausnahme, wie die frei herausgegriffenen Beispiele der Grafen von Helfenstein und der Pfalzgrafen von Tübingen deutlich machen.

Die Kliometrie scheint in Deutschland nach einem (nicht zuletzt durch den erstmaligen Einsatz von Computern hervorgerufenen) Boom in den 1980er und 1990er Jahren inzwischen stark an Bedeutung verloren zu haben, während sie im angelsächsischen Raum weiterhin teilweise seltsame Blüten treibt. Natürlich gilt es, in der Geschichtswissenschaft nicht nur zu qualifizieren sondern auch zu quantifizieren. Doch lediglich in sehr seltenen Fällen steht eine hinreichend umfangreiche und homogene Datenmenge aus historischer Zeit zur Verfügung, um daraus ein statistisch belastbares Ergebnis gewinnen zu können. Münzfunde sind da eine der wenigen Ausnahmen. Darüber ließe sich allerdings in der Tat ein eigener Beitrag schreiben…

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Kapitalangebot vs. Staatsschulden

Zum Interview von Gerald Braunberger und Rainer Hank mit Carl Christian von Weizsäcker über den Nutzen von Staatsschulden für die schwäbische Hausfrau, die Logik von Nullrenditen und die Bedeutung der Kapitaltheorie

Das Argument, das wachsende Kapitalangebot müsse durch vermehrte Staatsschulden ausgeglichen werden, damit ein ‚großer und sicherer Schuldner’ für die Kapitalanlage zur Verfügung stehe, hat einen entscheidenden Schwachpunkt:

Mehr Schulden machen die Anlage nicht sicherer sondern unsicherer, da für Staatsschuldtitel wie für andere Kreditinstrumente gilt, daß deren übermäßige Ausgabe nur zu einem Kreditausfall führen kann. Anders ausgedrückt: Das Ausfallrisiko steigt ab einem gewissen Punkt exponentiell.

Daher kann das angedachte Szenario lediglich als Illusion dienen, also als beruhigende Vorstellung von einer sicheren Anlage, die in Wirklichkeit nicht nur nicht sicher, sondern letztlich bereits verloren ist.

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Verlorenes Jahrzehnt der Europapolitik

Zu Michael C. Burda u.a.: Stellungnahme „Zur Europäischen Bankenunion“

Die Dekade nach der Einführung des Euro im Jahr 1999 wird wohl als verlorenes Jahrzehnt der Europapolitik in die Geschichte eingehen. Eine grundlegende politische Fortentwicklung Europas fand in dieser Zeit nicht statt, wofür das Scheitern des „Vertrags über eine Verfassung für Europa“ von zentraler Bedeutung war. Die Währungsunion hätte eigentlich Motor der Fortentwicklung sein sollen, doch verringerte sie stattdessen den Anpassungsdruck zunächst durch die massiv gesunkenen Zinsen auf Staatsschulden und dann durch die „Querfinanzierung“ per TARGET2. Der Vorschlag zu einer „Entkopplung von Staatsfinanzen und Kreditversorgung“ ist daher zwar technisch richtig. In längerer Perspektive dürfte er sich aber als politisch naiv erweisen, da dadurch auf einer weiteren Ebene (mit entsprechend größeren finanziellen Risiken) der Integrationsdruck wesentlich gemindert würde. Das könnte vielleicht einige Zeit erkaufen. Diese würde jedoch kaum genutzt werden, eben weil es die „Entkopplung“ gäbe.

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Die Versteigerung der Archer M. Huntington-Sammlung spanischer Münzen – und was dazu nicht erwähnt wurde

Zu Lisa Zeitz: Münzen in New York. Ein Palast für ein Goldstück

Was nicht erwähnt wurde ist die Tatsache, daß einst Archer Huntington selbst diese einzigartige Sammlung spanischer Münzen der American Numismatic Society übergeben hatte. In diesem wichtigsten amerikanischen Geldmuseum sind die beinahe 40.000 Stücke über ein halbes Jahrhundert der Öffentlichkeit zugänglich gewesen.

Die Hispanic Society erstritt laut einem Bericht von The Art Newspaper erst 2008 in einem Gerichtsverfahren nicht nur den Besitz an der Sammlung, sondern mit Hilfe des stellvertretenden Vorsitzenden von Sotheby’s auch die Rechte an dem von der American Numismatic Society in den vergangenen 50 Jahren erstellten Sammlungskatalog.

Die Entscheidung der Hispanic Society, sich von der Sammlung zu trennen, dürfte kaum der Intention des spendablen Donators entsprechen. Die Entscheidung zeugt zudem von einem zumindest einseitigen Kunstverständnis: Durch den Verkauf sämtlicher Kleinplastiken verliert die Sammlung in ihrer Gesamtheit stark an Bedeutung.

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Helmut Schlesinger über das Problem mit TARGET2

Zu Philip Plickert: Die Zeitbombe der Bundesbank

Neben den beiden Links im Text ist nicht zuletzt der ifo Schnelldienst 16/2011 zum Thema “Die europäische Zahlungsbilanzkrise” lesenswert. Helmut Schlesinger etwa faßt dort den Kern der Problematik so zusammen: “Es ist offensichtlich, dass für Länder mit hohen Zahlungsbilanzdefiziten der Zwang zum Abbau des Ungleichgewichts insoweit entfällt, als die Finanzierung des Defizits automatisch über das Target2-System ermöglicht wird. [...] Gleichwohl enthob die Finanzierung über Target2 lange Zeit die Defizitländer dem Anpassungszwang, der für alleinstehende Länder von den Marktkräften ausgeht. Ähnliches gilt für die Überschussländer, in denen es wegen der Zunahme der Target2-Forderungen zu keiner zusätzlichen Expansion der Geldmenge und damit zu keiner zusätzlichen Inlandsnachfrage kommt.” (S. 11)

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Instabiles Geld setzt den Zusammenhalt der Bevölkerung aufs Spiel

Instabiles Geld setzt den Zusammenhalt der Bevölkerung aufs Spiel, Gastbeitrag in: Fazit. Das Wirtschaftsblog vom 12. Dezember 2011.

Text

Dann und wann scheint es an der Zeit zu sein, die elementarsten Voraussetzungen für die Funktionalität unseres Währungssystems in Erinnerung zu rufen. Denn wer die Diskussion über die Euro-Rettung über längere Zeit verfolgt hat, mag fast am eigenen Verstand zweifeln: Die zahlreichen, völlig konträren Lösungsansätze sind in sich vielfach schlüssig begründet.

Helmut Schmidt etwa sagte am 4. Dezember auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin: „Alles Gerede und Geschreibe über eine angebliche Krise des Euro ist in Wirklichkeit leichtfertiges Geschwätz von Medien, [...] von Journalisten, und leichtfertiges Geschwätz von Politikern.” Im Feuilleton von F.A.Z. und F.A.S. vertraten unlängst der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Michael Hudson und die deutsche Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht einmal mehr die Meinung, die Europäische Zentralbank (EZB) müsse direkt oder indirekt über eine Banklizenz der EFSF die Finanzmärkte mit Geld fluten.

Aber kann die EZB die Krise lösen, indem sie Geld druckt, wie Hudson und Wagenknecht es fordern? Oder sind die Vertreter der gegenteiligen Meinung im Recht? Haben wir es mit einer Krise des Euro zu tun, oder ist das nicht der Fall, wie Schmidt behauptet?

Die Antwort auf diese Fragen findet, wer darüber nachdenkt, was Geld ist und welchen gesellschaftlichen Zweck es zu erfüllen hat. Derartige Gedanken hat man sich vermutlich bereits gemacht, als das Münzgeld im 7. Jahrhundert vor Christus in Kleinasien erfunden wurde. Der Name des dortigen Königs ist seither sprichwörtlich mit Reichtum verknüpft: Er war nicht nur ein Krösus, sondern er hieß auch so.

Aus der Zeit des Krösus oder seiner Vorgänger, die das Münzgeld erfanden, sind allerdings noch keine theoretischen Überlegungen überliefert, die uns Nachgeborenen erklären würden, warum man die ersten Münzen prägte. Erst aus dem 4. Jahrhundert vor Christus ist eine solche Erläuterung bekannt: Aristoteles fragt in der Nikomachischen Ethik unter anderem danach, wie sich Gerechtigkeit in der Gesellschaft herstellen lässt. In diesem Rahmen behandelt er auch das Geld.

Aristoteles geht davon aus, dass Menschen keine amorphe Masse bilden, sondern dass sie individuell unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten haben. Diesen Interessen nachzugehen und ihre Fähigkeiten auszuüben, wird den Menschen allerdings nur dadurch möglich, dass sie Gemeinschaften bilden, innerhalb derer sie ihre unterschiedlichen Waren und Dienstleistungen austauschen können. So erhält der Ingenieur sein Brot und der Bäcker ein Dach über dem Kopf.

Das Problem ist, dass der Wert eines Hauses gemessen und zu demjenigen eines Brotes in Beziehung gesetzt werden muss, um einen gerechten Austausch vornehmen zu können. Diese Funktion leistet das Geld, indem es in Form unterschiedlicher Nominale selbst kleinste und größte Werte messbar, vergleichbar und somit austauschbar macht.

Dabei ist es Aristoteles besonders um die Austauschgerechtigkeit zu tun: Lässt sich durch das Geld keine Gerechtigkeit beim Austausch von Waren und Dienstleistungen mehr herstellen, dann werden Arbeitsteilung und Handel für die Menschen unvorteilhaft. Sie kehren infolgedessen zur Selbstversorgung zurück, und die Gemeinschaft löst sich auf.

Die Argumentation ist bis hierhin von zwingender Logik. Aristoteles leitet im folgenden allerdings Geld (nomisma) etymologisch von Gesetz (nomos) ab und stellt fest, dass es per Gesetz seinen Wert erlange und demgemäß auch durch das Gesetz seinen Wert verlieren könne. Demgemäß betrachteten die Herrscher in der Antike und während weiter Teile des Mittelalters das Bargeld als ihren Besitz, den sie beliebig entwerten konnten. Dem liegt die damalige Vorstellung zugrunde, dass der Herrscher Quell des Rechts war, das dem Geld erst seinen Wert einhauchte. So oder ähnlich mag Aristoteles das auch seinem wohl bekanntesten Schüler, Alexander dem Großen, beigebracht haben. Alexander ließ seinen Namen daher im Genitiv auf seine Münzen prägen, die somit diejenigen „des Alexander” waren.

Diese Sichtweise widerspricht eklatant der vorherigen Argumentationskette: Wenn etwa das für ein Brot gezahlte Geld per Gesetz über Nacht wertlos wird, dann ist damit auch das dem Gelderwerb zugrundeliegende Handelsgeschäft nachträglich ungerecht geworden. Das Geld kann seine ebenfalls von Aristoteles beschriebene Funktion als Wertaufbewahrungsmittel nicht erfüllen.

Diesen logischen Bruch konnten freilich erst diejenigen Gelehrten des Mittelalters überwinden, die seit dem 13. Jahrhundert die Werke des Aristoteles wiederentdeckten und kommentierten. Am bekanntesten unter ihnen ist Nicolas Oresme, ein französischer Bischof. In seiner Abhandlung über Geldwertveränderungen (Tractatus de mutatione monetarum) vertrat er die Ansicht, dass das Geld der Allgemeinheit gehöre, da sie durch ihre Arbeit den Besitz daran erworben habe. Ohne die Zustimmung der Menschen dürfe der Wert des Geldes demgemäß nicht einfach weginflationiert werden.

Diese Erkenntnis der Geldtheorie wird ein Schüler, der während seiner Sommerferien gearbeitet hat, um etwa mit dem Ersparten ein Rad zu kaufen, sicher ebenso zu schätzen wissen wie ein Rentner, der einen großen Teil seines Lebens gearbeitet und somit gegen Geld eingetauscht hat, das ihm den Lebensabend finanzieren soll. Denn beides ist nur möglich, wenn das erarbeitete Geld in seinem Wert stabil bleibt.

Allerdings hatte Oresme noch ein weiteres Problem zu lösen: Die Herrschaftsausgaben waren bis dato durch Inflation finanziert worden. Oresme konzedierte den Herrschern auch weiterhin Einkünfte, die ihrem Rang angemessen waren. Um die notwendigen Mittel aufzubringen, sollten fortan Steuern erhoben werden, was man allgemein als gerechter empfand als die Monetisierung herrschaftlicher Schulden.

In den nachfolgenden Jahrhunderten ging die Erinnerung an diese allmählich, teilweise erst mit gewaltsamen Volksaufständen durchgesetzte Lösung allerdings wieder verloren. Staatsausgaben wurden nicht nur durch Steuern, sondern bisweilen erneut zusätzlich über Inflation finanziert. Dies ändert aber nichts daran, daß eine solche Finanzierungsweise eklatant gegen rationalere und gerechtere Lösungen verstößt, die zu entwickeln die Menschheit fast zwei Jahrtausende gebraucht hat.

Wer dieses historische Orientierungswissen hat, kann leicht zwischen nachhaltigen und nicht zukunftsfähigen Lösungsansätzen für die gegenwärtige Krise unterscheiden:

Sobald eine Zentralbank einspringt, um Staatsschulden zu finanzieren, verwandelt sie eine Schuldenkrise in eine Währungskrise und begibt sich damit gerade auf jenen Irrweg, den man im späten Mittelalter überwunden hatte. Wenn Helmut Schmidt dennoch behauptet, es gebe keine Krise des Euro, dann irrt er daher, leider. Der Altbundeskanzler müsste es eigentlich besser wissen, hat er doch selbst diejenigen beiden Epochen in der deutschen Geschichte miterlebt, in denen die Reichsbank in großem Ausmaß den Staat finanzierte – mit den bekannten Folgen in Form der Hyperinflation 1923 und der zurückgestauten Inflation des „Dritten Reichs”, die sich nach dessen Untergang ihre Bahn brach.

Mit dem umfangreichen Ankauf von Staatsanleihen stellt sich die EZB mithin in eine ungute Tradition. Sie setzt paradoxerweise den Wert der Währung (und damit den Zusammenhalt der Bevölkerung) aufs Spiel, um den Euro-Währungsraum in seiner Gesamtheit zu bewahren.

Der Rückblick auf die Argumente des Aristoteles verdeutlicht aber auch, dass es nicht zulässig ist, die EZB die Schuldenkrise auf dem Umweg über den mit einer Banklizenz ausgestatteten Rettungsfonds EFSF zu finanzieren.

An der Beachtung dieser Grundlagen müssen sich die aktuellen Lösungsansätze messen lassen, egal von welcher Seite sie kommen. Wirtschaftswissenschaftler, darunter insbesondere amerikanische Nobelpreisträger, Europa- und Finanzpolitiker, nicht zuletzt deutsche Ex-Kanzler und Ex-Kommunisten, sollten das nicht unbeachtet lassen. Die Stammtische sind ihnen in dieser Hinsicht nicht selten weit voraus, indem sie schon länger eine aristotelische Grundfrage aufgreifen: diejenige der Gerechtigkeit.

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Nebenwirkungsfreie mephistophelische Geldschöpfung?

Zu Patrick Bernau: Die große Geldschwemme. Oder: Wo wächst die nächste Blase?

Die Annahme, daß sich „irgendwann gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts … die Welt geändert“ habe und „Zentralbanken nur noch selten Inflation“ verursachten, „wenn sie die Geldmenge schnell wachsen lassen“, dürfte leider ziemlicher Unsinn sein. Ansonsten wäre zu guter Letzt doch noch die nebenwirkungsfreie mephistophelische Geldschöpfung gelungen. Ein sehnlicher Wunsch, den die Menschheit lange gehegt hat, ohne daß die bisherigen Versuche jemals mit Erfolg gekrönt gewesen wären. – Diesmal ist das natürlich anders, um den spöttischen Titel der Monographie von Reinhart und Rogoff aufzugreifen…

Der Haken an dem Paper von Teles und Uhlig ist, daß darin nur Daten aus OECD-Ländern betrachtet werden. Angesichts der zunehmend globalisierten Wirtschaft wäre jedoch zu fragen, inwieweit die zusätzliche Liquidität in diejenigen Länder abfließt, in denen die OECD-Länder produzieren lassen: Betrachtet man die BRICS-Staaten, dann weisen diese hohe Inflationsraten auf!

Teles und Uhlig betonen zudem selbst, daß ihre Daten durch das Inflation targeting der Zentralbanken seit den 1990er Jahren nur schwer einen Zusammenhang zwischen Inflation und Wachstumsrate der Geldmenge erkennen lassen. Dieser Ansatz der Geldpolitik verstellt mithin den Blick für wesentliche Indikatoren, und er ist letztlich auch nur eine Nabelschau: Die Wirkungen der Geldpolitik jenseits der jeweiligen Währungsräume fließen schließlich nicht in die Bewertung ein. Da die Globalisierung jedoch keine Einbahnstraße ist, wirkt die Politik des „billigen Geldes“, der „quantitativen Lockerung“ oder wie auch immer man das Anwerfen der Druckmaschinen euphemistisch umschreiben mag, langfristig stets auf ihren Ausgangpunkt zurück.

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Geld fällt nicht vom Himmel

Zu Rainer Hank: Party ohne Rechnung: Die überdimensionierten Wohlfahrtsstaaten sind an der Krise schuld

Man könnte es vielleicht auch so wenden: Geld fällt nicht vom Himmel. Ähnlich wie so mancher Politiker gerne auf den Rat von Ökonomen vertraut hat, die Geld aus der frischen Luft hervorzaubern zu können vorgaben, sahen sich in früheren Zeiten letztlich auch die Herrscher alleingelassen, die neue Geldmittel von ihren Alchemisten erhofften. Ein Beispiel findet sich unter www.faz.net/…/die-goldgiganten-auf-der-berliner-museumsinsel-1574578.html

Daß Schuldenfinanzierung durch die Zentralbanken genau dieselbe Blauäugigkeit offenbart, scheint niemand bemerken zu wollen. Daher läßt man sich lieber von fiskalischer Illusion blenden, und wenn die nicht mehr taugt, dann muß eben die Geldillusion her.

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Heike Minich: Inflationsunterschiede in einer Währungsunion

Zu Gerald Braunberger: Meine Lieblingsökonomen

Interessieren könnte Sie vielleicht auch die Dissertation von Heike Minich über Inflationsunterschiede in einer Währungsunion (www.peterlang.com/…/datasheet_262014.pdf). Mir scheint die Frage jedenfalls entscheidend für die Möglichkeiten eines Fortbestehens des Euro zu sein.

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