Nicolas Oresme und Gabriel Biel. Zur Geldtheorie im späten Mittelalter

Nicolas Oresme und Gabriel Biel. Zur Geldtheorie im späten Mittelalter, in: Scripta Mercaturae. Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialgeschichte 37 (2003) 1, S. 56-94.

 

Zusammenfassung

Die Frage, wie sich ein gerechter Geldwert festlegen und begründen läßt, ist bereits seit Aristoteles vielfach diskutiert worden. Im Mittelalter war dieses Problem zentral für die Herrschaftsfinanzierung, die u.a. durch Geldabwertungen bestritten wurde. Die von Thomas von Aquin bzw. Tholomeus von Lucca vertretene Anschauung, das Geld sei Besitz des Herrschers und könne in seinem Wert frei von ihm festgesetzt werden, wandelte sich dahingehend, daß es vielmehr der Gemeinschaft gehöre und der Geldwert somit von den Ständen zu bestimmen sei. Diese Sichtweise wurde am akzentuiertesten von Nicolas Oresme in seinem um 1358 verfaßten Tractatus de mutatione monetarum vorgebracht. Gabriel Biel übernahm Oresmes Argumente und paßte sie den Verhältnissen in den deutschen Landen an, auch wenn er nicht ganz so rigoros auf der Geldwertstabilität beharrte wie Oresme. Statt der Münzabwertungen mußten nun andere Wege der Herrschaftsfinanzierung gefunden werden, denn selbst Oresme stritt nicht ab, daß dem Herrscher Einkünfte zustünden, die seinem Rang entsprächen. Somit ist der beschriebene Wandel des Geldverständnisses neben der beschleunigenden Wirkung, die Kriege auf die Entwicklung des Steuerwesens hatten, als weitere Ursache für die Einführung von Steuern zu sehen, da diese dem Herrscher anstelle des Münzgewinns zugestanden wurden.

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