Peter Berghaus: Das münzsichtige Arnstadt, und Peter Berghaus: Anton Günther II. Graf, seit 1709 Fürst von Schwarzburg-Arnstadt

Peter Berghaus: Das münzsichtige Arnstadt (S. 121-135, 21 Abb.). Peter Berghaus: Anton Günther II. Graf, seit 1709 Fürst von Schwarzburg-Arnstadt (*10.10.1653 Sondershausen, †20.12.1716 Arnstadt). (S. 137-142, 5 Abb., davon zwei in Farbe). Beide Titel: Johann Sebastian Bach und seine Zeit in Arnstadt […], in: Numismatisches Nachrichtenblatt 49 (2000) 11, S. 441f.

 

Rezension

Anläßlich der Arnstädter Sonderausstellung zum 250. Todestag Johann Sebastian Bachs (1685 – 1750) beschäftigt sich Peter Berghaus mit dem zeitgenössischen numismatischen Leben in der Residenzstadt. Der Landesherr Anton Günther II. hatte eine bedeutende Sammlung nicht nur – wie damals allgemein üblich – antiker Münzen, sondern speziell auch deutscher Brakteaten und Taler zusammengebracht. Dadurch galt das Arnstädter Kabinett als besondere Sehenswürdigkeit. Es zog viele vornehme Numismatiker seiner Zeit an. Darunter waren so berühmte Namen wie Johann Peter Ludewig (Verfassungsrechtler; 1668 – 1743), Vater und Sohn Olearius (1635 – 1711 bzw. 1668 – 1747) sowie Wilhelm Ernst Tentzel (Historiograph; 1659 – 1707), der mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716) korrespondierte. Mit diesen frühen Besuchern und Kustoden befaßt sich der erste Katalogbeitrag insbesondere. Er stellt eine Fundgrube zu den Anfängen der Brakteatenkunde und ihren Vertretern dar. In einem ersten Teil werden Zitate aus deren Werken mit der Geschichte der Sammlung zu einer detailreichen Darstellung verbunden. Der darauffolgende Abschnitt bringt die im Text genannten Numismatiker mit kurzgefaßten Angaben zu Lebenslauf und wichtigsten Veröffentlichungen. Der Verfasser kann dabei aus seinem reichen numismatischen Porträtarchiv schöpfen und eine opulente Bebilderung präsentieren.

Anton Günther II. ist der zweite Beitrag gewidmet. Auf der Grundlage von Archivalien hauptsächlich des Staatsarchivs Rudolstadt verfolgt Peter Berghaus die auch zu Münzkäufen unternommenen Reisen des Grafen und späteren Fürsten. Es ist dem Verfasser sogar möglich, die Provenienzen einzelner Münzen zu bekannten zeitgenössischen Numismatikern zu rekonstruieren, etwa dem Schweden Elias Brenner (1647 – 1717). Für 100.000 Taler mußte der Fürst 1712 schließlich aus Geldnot sein Münzkabinett an Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha veräußern. Ein großer Teil der Sammlung befindet sich daher heute noch in Gotha.

Die beiden Beiträge von Peter Berghaus bereichern den Katalog um Einblicke in das einstige Wirken der Numismatiker im Umkreis des Fürsten und die Geschichte des Münzkabinetts Gotha. Gleichzeitig wird die humanistische Bildung Anton Günthers II. hervorgehoben, zu der das Sammeln von Münzen gehörte.

Der gediegen ausgestattete Band ist sein Geld mehrfach wert.

Hendrik Mäkeler

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