Hendrik Mäkeler: Eine Studie zum Straßburger Buchdruck des frühen 16. Jahrhunderts. (Kurzrezension über: Oliver Duntze: Ein Verleger sucht sein Publikum. Die Straßburger Offizin des Matthias Hupfuff (1497/98-1520). München: K. G. Saur 2007.), i: IASLonline [20.09.2011]
'Recensioner'
Bernhard Löffler (Hrsg.), Die kulturelle Seite der Währung (Historische Zeitschrift, Beiheft 50) […], i: Bankhistorisches Archiv 37 (2011) 1, s. 97-100.
Recension
Der Zustand des europäischen Währungswesens erscheint im Augenblick der Niederschrift dieser Besprechung dramatisch. Immer mehr und immer größere Rettungsschirme müssen aufgespannt werden, um die leeren Kassen europäischer Staaten vor der Gewitterwolke zu schützen, die der internationale Finanzmarkt derzeit über dem Euroraum hat aufziehen lassen. Ursache des Wetterleuchtens ist die fehlende Haushaltsdisziplin; als deren Konsequenz befürchtet man schlimmstenfalls die Auflösung des Euroraums.
Angesichts sich stetig überschlagender Nachrichtenmeldungen ist es angebracht innezuhalten, die Problematik im größeren historischen Rahmen zu betrachten und auf das Orientierungswissen zurückzugreifen, das die geld- und bankhistorische Forschung bereitstellt. Nur so lassen sich überzeugende, langfristig tragbare Problemlösungen erarbeiten. Es erweist sich dabei als Glücksfall, daß mit dem Sammelband „Die kulturelle Seite der Währung“, der auf eine Sektion des Konstanzer Historikertages von 2006 zurückgeht, gerade im rechten Augenblick ein überaus tiefschürfendes und anregendes Kompendium veröffentlicht wurde, anhand dessen sich die unterschiedlichen Traditionen der Währungsstabilität in ausgewählten europäischen Ländern verfolgen lassen.
Bernhard Löffler leitet den Band ein, indem er zunächst den Ansatz erörtert, Währungsgeschichte als Kulturgeschichte zu verstehen, und diesen Zugang sodann im Rahmen der Theorien Schumpeters, Webers, Simmels und Blumenbergs verortet. Zugleich macht er auf die Wurzeln dieser Herangehensweise im Umfeld der Wirtschaftsstil- und Wirtschaftskulturforschung aufmerksam. Das wesentlichste Argument für die zentrale Bedeutung der Fragestellung stellt jedoch die Einsicht dar, daß die Existenz oder Schaffung einer Stabilitätskultur unabdingbar für den Erfolg von Papiergeldsystemen ist (S. 12) – so daß Finanzzentren zu (ökonomischen) „Erinnerungsorten“ werden (S. 16). Im Anschluß an diese grundlegenden Überlegungen werden die weiteren Beiträge des Sammelbandes zusammengefaßt.
Der folgende Aufsatz von Bernd Hayo geht „Inflationseinstellungen, Zentralbankunabhängigkeit und Inflation“ aus wirtschaftstheoretischer Sicht nach (S. 37-62). Die Frage, ob „die Unabhängigkeit der Zentralbank der entscheidende Grund für die Sicherung niedriger Inflationsraten“ sei oder ob „Staaten, deren Bevölkerung Preisstabilität als wichtig ansieht, ihre Zentralbanken zur Erreichung dieses Ziels als unabhängig konzipiert“ haben (S. 41), erinnert dabei allerdings ein wenig an das Henne-Ei-Problem. Was Deutschland anbetrifft, wurde dieser gordische Knoten im übrigen zweimal, 1922 und 1948, durch die Alliierten zerschlagen, indem sie von außen eine unabhängige Zentralbank durchsetzten.
Dies zeigt (S. 80f.) Dieter Lindenlaub in seinem lesenswerten Beitrag über „Deutsches Stabilitätsbewußtsein“ (S. 63-100), durch den im übrigen die theoretischen Überlegungen Hayos verschiedentlich anhand historischer, man ist geradezu geneigt zu sagen: praktischer, Beispiele ergänzt und teilweise zurechtgerückt werden. Ein anderes Beispiel dafür, daß sich beide Beiträge hervorragend ergänzen, stellt Hayos Hypothese dar, die Unabhängigkeit der Zentralbank sei nicht hinreichend zur Gewährleistung niedriger Inflationsraten, „solange kein öffentlicher Konsens über das Ziel der Preisstabilität besteht“ (S. 45). Kehrt man diesen Ansatz um, muß man allerdings feststellen, daß öffentlicher Konsens zur Erreichung dieses Ziels eben auch nicht hinreicht. Das bleibt bei Hayo unerwähnt, findet bei Lindenlaub aber anhand der 1922 und 1923 von der (im übrigen nur de jure unabhängigen, da de facto an die allgemeinen politischen Ziele angepaßten) Reichsbank zur Finanzierung der Reparationen betriebenen Inflationspolitik Beachtung (S. 87f.).
Davon abgesehen, verdient je eine Schlußfolgerung Hayos und Lindenlaubs besondere Beachtung: Hayo hält fest, daß die jeweiligen Währungskulturen in den verschiedenen Ländern „eine entscheidende Erklärung für die Unterschiede in den nationalen Inflationsraten“ biete (S. 47). Diese Erkenntnis ist wichtig, da sie eine dringend notwendige kulturgeschichtliche Korrektur der bisher weitgehend wirtschaftswissenschaftlich dominierten Diskussion der Inflationsraten darstellt. Dieser Ansatz wird gewiß einigen Diskussionsbedarf nach sich ziehen.
Weit mehr politischen Sprengstoff enthält Lindenlaubs allerdings nur vorsichtig formulierte Möglichkeit, „die gesetzliche Unabhängigkeit der Zentralbank“ sei schlimmstenfalls auch „nötig, um Stabilitätspolitik gegen eine Koalition von Regierung und öffentlicher Meinung durchzusetzen“ (S. 90). Dies verdiente noch deutlicher vorgetragen und offensiver vertreten zu werden.
Olivier Feiertag stellt anschließend „La culture monétaire française au XXe siècle“ als wesentliche Grundlage einer overdraft economy dar (S. 101-121). Im Gegensatz zu Lindenlaub, der auf eine große Mehrheit der Deutschen verweisen kann, die Geldwertstabilität steigenden Löhnen vorzogen (S. 67f. mit Anm. 12), erkennt Feiertag in Frankreich „l’opposition entre l’État et le marché“, die unter anderem eine lang anhaltende negative Grundeinstellung zum Geld zur Folge hatte: „La spécificité française réside davantage dans la longévité de ces représentations négatives de la monnaie qui ont perduré grosso modo tout au long du XXe siècle […]“ (S. 120).
Bernhard Löffler untersucht daran anknüpfend „Argumentationsmuster, Diskursstrategien und politische Symbolik in den deutsch-französischen Debatten um die Einführung des Euro“ (S. 123-168). Wesentlichster Unterschied war dabei wohl die in Deutschland vorherrschende Kultur der unpolitischen Expertengremien (S. 133-135) gegenüber der französischen Vorstellung, daß die Währung sich der Politik anzupassen habe (S. 155-159). Weite Teile des Beitrags beziehen sich dabei auf die in ihren Wirkungszusammenhängen noch nicht abgeschlossene Gegenwart. Die historische Darstellung wird dadurch vor die Entscheidung gestellt, entweder auf eine wertende Kommentierung zu den referierten Meinungen zu verzichten oder aber eindeutig Stellung zu beziehen, was einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung allerdings durchaus politischen Charakter verleihen kann. Löffler wählt den ersteren Weg, was zur Folge hat, daß die Positionen der einzelnen Akteure relativ unkommentiert bleiben. So liest man etwa S. 128f. von massiver Kritik am Stabilitätskurs Hans Tietmeyers, die unter anderem von Claus Noé (1938-2008) geäußert wurde, einem Staatssekretär im Bundesfinanzministerium unter Oskar Lafontaine. Die Einzelheiten werden S. 134f. in einem längeren Zitat aus einem Artikel in der „Zeit“ 45/1998 nachgereicht, wo Noé das Verhalten der Bundesbank als „vordemokratische, absolutistische Politik“ geißelte und Tietmeyer eine Disqualifizierung der Parlamente vorwarf, wie sie in der Weimarer Republik stattgefunden habe. Diese polemischen Äußerungen rufen Widerspruch natürlich geradezu hervor, zumal sie die Verfassungskonformität der Auffassung des Staatssekretärs in dieser Sache fragwürdig erscheinen lassen: Mit dem 38. Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes war Ende 1992 bekanntlich die Unabhängigkeit der Bundesbank und die Sicherung der Preisstabilität als deren Aufgabe ausdrücklich im Grundgesetz festgeschrieben worden. Allein schon dadurch verbot und verbietet sich die von Noé geforderte Politisierung der Geldpolitik.
In einem brillant geschriebenen Aufsatz über „Pfund Sterling, Bank of England und britische Identität im 20. Jahrhundert“ (S. 169-197) vertritt Gabriele Metzler die Auffassung, daß es in den britischen Debatten über Euro und Pfund nicht um ökonomische Zusammenhänge gehe. „Vielmehr tradieren das Pfund und die Bank of England als genuin britische Institutionen spezifische Geschichtsbilder, in denen das gesellschaftliche und politische Selbstverständnis des Landes zum Ausdruck kommen.“ (S. 170) Insofern begreift die Verfasserin den „Euro als Katalysator europapolitischer Grundsatzdebatten“ (S. 169), womit die wohl treffendste Formulierung der Problematik in den Diskussionen über den Euro und den Beitritt zum Eurosystem in Großbritannien, Dänemark und Schweden vorliegt. Metzler macht zudem auf den wesentlichen Umstand aufmerksam, daß die gemeinsame Währung zusammen mit der Monarchie zentrales Symbol für den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs ist (S. 188). Gordon Brown konnte daher leicht die Sympathien auf seiner Seite wissen, wenn er sich immer wieder kritisch zu einem Euro-Beitritt äußerte (S. 182f., 186, 190).
Tobias Straumann nimmt sich eines weiteren interessanten Gebiets an: „Die Währungspolitik Schwedens und der Schweiz im 20. Jahrhundert“ (S. 199-223) lautet sein Thema. Nicht nur wegen gewisser Ähnlichkeiten der beiden nach der Bevölkerungszahl kleinen und lange laut der offiziellen Politik neutralen Länder drängt sich dieser Vergleich förmlich auf: Während man in der Schweiz die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre als Ansporn für einen liberalen Neuanfang verstand, wurde sie in Schweden als Marktversagen interpretiert, das nur durch eine dirigistische Politik zu vermeiden wäre. Der Schweizer Franken blieb auf diese Weise im 20. Jahrhundert eine der starken Währungen der Welt, während der Verlust der Unabhängigkeit der schwedischen Reichsbank und die Finanzierung der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf dem Wege der Geldschöpfung starke Abwertungen der schwedischen Krone zur Folge hatte, bevor man sich seit den 1980er Jahren aus wirtschaftlichen Gründen zur allmählichen Rückkehr zur Geldwertstabilität gezwungen sah. In der Gemengelage zwischen schwedischem Zentralismus und schweizerischem Föderalismus, den unterschiedlichen Ethnien, Konfessionen, Parteienlandschaften und wirtschaftlichen Strukturen lotet Straumann die Ursachen für diese stark unterschiedliche Politik sorgsam aus.
Im letzten Beitrag „Währungsordnung, Währungserfahrung und die politische Bedeutung der Krone im 20. Jahrhundert“ stellt Maria Köhler-Baur die einzige in dem Sammelband behandelte ehemalige Staatsbank vor, nämlich die der ehemaligen Tschechoslowakei. Köhler-Baur hebt dabei die enge Verbindung im öffentlichen Bewußtsein des nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen tschechoslowakischen Nationalstaates mit der kurz darauf eingeführten Währung heraus. Im übrigen bietet der Aufsatz im wesentlichen eine nützliche Darstellung der unterschiedlichen Zäsuren in der tschechischen und slowakischen Währungsgeschichte, während Währungsbilder lediglich am Beispiel zweier zentraler Persönlichkeiten erörtert werden. Einerseits handelt es sich dabei um Alois Rašín (1867-1923), der als Finanzminister der ersten tschechoslowakischen Regierung die neue Währung einführte und damit wesentlich zur Stabilisierung des neuen Staates beitrug (S. 238-242). Andererseits gilt die Aufmerksamkeit der Verfasserin den marktwirtschaftlichen Reformen des heutigen Präsidenten der Tschechischen Republik, Václav Klaus, die dieser nach der „Samtenen Revolution“ von 1989 als Finanzminister durchgeführt hatte (S. 247-251).
Zwei Wünsche bleiben nach der Lektüre dieses Buches offen: Zum einen ist da der Wunsch „nach mehr“. Wenn keines der europäischen Mittelmeerländer behandelt wird, ist dies gerade in der aktuellen Krise bedauerlich, und eine entsprechende ergänzende Publikation wäre höchst willkommen. Zum anderen hält der Rezensent eine größere historische Tiefenschärfe für erstrebenswert – die Beiträge reichen selten in die Zeit vor dem 20. Jahrhundert zurück. Durch diese Beschränkung erscheinen die Währungskulturen insgesamt relativ statisch. Deren Dynamik wird erst deutlich, wenn man sich etwa vor Augen führt, daß ausgerechnet aus dem griechischen Raum die erste theoretische Begründung der Notwendigkeit wertstabilen Geldes überliefert ist (Aristoteles), während die Luxemburger in der mittelenglischen Literatur synonym für schlechte Münzen standen – eine Folge der Finanzierung der Königswahl Karls IV. aus dem Haus der Luxemburger im Jahr 1346 auf dem Wege massiver Geldentwertung.
Auf die Problematik solcher längerfristigen Entwicklungen verweist in dem Sammelband allerdings einzig Dieter Lindenlaub. Er stellt fest, daß ihm vor 1914 keine Nachweise unterschiedlicher Inflationsaversionen im europäischen Raum bekannt seien und hält deshalb die heutigen „nationalen Unterschiede der Inflationsaversion [für] eine relativ kurzfristige Erscheinung“ (S. 66f.). Dies ist eine ungemein wichtige Beobachtung. In Zukunft muß man sich wohl vermehrt der Bedeutung des Nationalstaatsgedankens für die Währungskulturen und die aufgrund der europäischen Gemeinschaftswährung in diesem Verhältnis auftretenden Veränderungen bewußt werden. Man wünscht sich dieses Buch daher nicht nur unter das Kopfkissen möglichst zahlreicher (geld-)politischer Entscheidungsträger, sondern kann die Lektüre auch jedem am Phänomen „Geld“ Interessierten uneingeschränkt empfehlen.
Petra Pakkanen, August Myhrberg and North-European Philhellenism. Building the myth of a hero […], i: Klio 93 (2011) 1, s. 272f.
Alexander Jung, Dietmar Pieper und Rainer Traub (Hrsg.): Geld macht Geschichte. Kriege, Krisen und die Herrschaft des Kapitals seit dem Mittelalter […], i: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 98 (2011) 2, s. 258.
Recension
Mit dem vorliegenden Buch feiert die Spiegel Geschichte-Ausgabe 4/2009 („Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronologie des Kapitals“) eine Wiederauferstehung in Buchgestalt. Den Ursprungstext hat man dabei weitgehend unverändert übernommen; lediglich ein kurzes Vorwort ist hinzugefügt worden. Darin finden sich bereits viele problematische Bewertungen, etwa diejenige, Griechenland stehe „infolge der Finanzkrise […] am Rande des Staatsbankrotts“ (S. 11). Mithin wird die zugrundeliegende langjährige Mißwirtschaft verschwiegen und auf diese Weise eine Kapital(ismus)kritik geübt, die bereits im Titel des Buches angedeutet ist und sich zwischen den Buchdeckeln stellenweise fortsetzt. Dagegen findet man im Vorwort keinen Hinweis auf den Entstehungszusammenhang der in dem Band enthaltenen Beiträge. Dies wäre allerdings notwendig gewesen, um rechtzeitig die Erwartungen der Leser zu dämpfen, die in einem Buch üblicherweise hochwertigere Beiträge als in einem Magazin vermuten dürften. Ein Lektorat der Texte hat bei der Umarbeitung in Buchform augenscheinlich nicht stattgefunden, wodurch zumindest einige augenfällige Fehler hätten ausgemerzt werden können. So ist in dem einleitenden Interview mit Niall Ferguson, dem Autor einer englischen Dokumentation zur Geschichte des Geldes, die 2009 mit einem Emmy ausgezeichnet wurde, der englische Begriff für Tauschhandel nach wie vor falsch mit „Barterhandel“ übersetzt (S. 19). Zudem hätte bei einer redaktionellen Überarbeitung auffallen können, daß die Beiträge von Werner Plumpe zu „Lehren aus dem Gründerkrach“ und von Alexander Jung, der „Das Fanal von 1929“ behandelt, einander direkt widersprechen. Während Plumpe in seinem lesenswerten Text betont, daß der Vergleich der heutigen Finanzkrise mit dem Crash von 1929 und der folgenden wirtschaftlichen Talfahrt unsinnig sei, ja geradezu den Blick auf frühere und erkenntnisförderlichere Phänomene verstelle, meint Jung „augenfällige“ Parallelen zwischen Großer Depression und Gegenwart zu erkennen. Überhaupt ist das Niveau der Beiträge ebenso weit gestreut wie deren inhaltliche Schwerpunkte, die vom Mittelalter bis in die Gegenwart reichen. Rainer Traub etwa vertritt in seinem Artikel zur kommerziellen Revolution des Mittelalters die Pirenne-These noch so, als sei sie nie widerlegt worden (was wohl endgültig durch Michael McCormicks 2001 veröffentlichte „Origins of the European Economy“ geschah). Nils Klawitter geht hingegen in seinem erfreulichen, offenbar auf einem Interview mit Winfried Reichert basierenden Beitrag dem christlichen Zinsverbot und dessen Folgen im Mittelalter nach. Insgesamt erhält man mit dem Band eine Ansammlung zumeist recht leichter Lesekost, die häufig in spiegeltypischer Weise aus knappen, polemischen Darstellungen besteht. Das Buch ist dadurch eine kurzweilige Lektüre, die allerdings fast durchgängig ziemlich oberflächlich ist und keinen bleibenden Eindruck hinterläßt. Wenn man das Werk lesen möchte, sollte man angesichts der zahlreicheren und farbigen Abbildungen aber lieber auf das (zudem noch billigere) Spiegel Geschichte-Heft zurückgreifen.
Hendrik Mäkeler, Uppsala
Svein H. Gullbekk: Pengevesenets fremvekst og fall i Norge i middelalderen […], i: Hansische Geschichtsblätter 128 (2010), s. 303f.
Recension
Svein Gullbekks 2003 an der Universität Oslo verteidigte Dissertation zum norwegischen Münzwesen des Mittelalters war bislang nur in einigen wenigen Exemplaren verfügbar, die im Rahmen des Promotionsverfahrens erschienen und in keiner öffentlichen deutschen Bibliothek verfügbar sind. Umso erfreulicher ist es daher, daß die Arbeit nun vom Kopenhagener Universitätsverlag veröffentlicht wurde, wenngleich zwischenzeitlich erschienene Literatur offenbar nur noch in Ausnahmefällen eingearbeitet werden konnte. Dabei ist ein bereits rein äußerlich ansprechender Band entstanden, der mit einem farbigen Schutzumschlag und sehr guten, vielfach farbigen Abbildungen daherkommt. Auf diese Weise erhält der Leser einen guten Eindruck von dem vor ihm ausgebreiteten Material, was insonderheit bei den relativ unscheinbaren Geprägen von Vorteil ist, die Gegenstand der Arbeit sind. Doch ist das Ziel des Verfassers keine ausschließlich numismatische Darstellung. Vielmehr bewegt er sich zwischen den Fächergrenzen der Numismatik, Geldgeschichte und Wirtschaftsgeschichte und beleuchtet auf diese Weise sowohl die Organisation als auch die Funktion und den Verbreitungsgrad des Münzgeldes in der mittelalterlichen norwegischen Gesellschaft. Abschließend wird auch die übergeordnete Frage nach der Entwicklung der Geldwirtschaft behandelt. Drei Kapitel verdienen dabei besonderes Interesse. Erstens dasjenige über Münzen in der Gesetzgebung (S. 106-128), in dem von den legislativen Bemühungen des Königtums zur Durchsetzung des Münzgebrauchs anstelle des Tauschhandels berichtet wird. Diese Bemühungen sind vor dem Hintergrund des Münzgewinns zu sehen, den es durchzusetzen galt. Zweitens ist das Kapitel über das Münzwesen als Einkunftsquelle des Königtums (S. 129-161) zu nennen, in dem Gullbekk von bedeutenden Einnahmen ausgeht, zu denen man allerdings nicht selten auf dem Wege starker Geldwertverringerungen gelangte. Es ist daher wenig überzeugend, das Münzwesen in diesem Zusammenhang als ein „ökonomisches Sicherheitsventil“ zu verstehen, das eine Herrschaftsfinanzierung ohne „zusätzliche wirtschaftliche Belastungen“ für die Bevölkerung ermöglicht habe (S. 155f.). Drittens schließlich scheint der Abschnitt über Geldwirtschaft in den Städten und Tauschwirtschaft auf dem Lande (S. 207-231) erwähnenswert. Darin macht der Verfasser auf die ungewöhnliche Tatsache aufmerksam, daß in Norwegen mehr mittelalterliche Münzen auf dem Lande als in den Städten gefunden werden. In jedem Fall ergänzten Münzen und Naturalien einander als Bezahlungsmittel. Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass die Untersuchung auch auf die Rolle fremder Münzen im norwegischen Geldumlauf eingeht, darunter vor allem der deutschen und englischen Münzen. Das norwegische Münzwesen reflektiert auf diese Weise naturgemäß die zeitgenössischen Handelsaktivitäten ebenso wie die Schwäche der norwegischen Könige bei dem Versuch, ihre auf die Ausnutzung des Münzgewinns ausgerichteten Interessen gegen diejenigen der Hansekaufleute durchzusetzen, die an überregional gültigem und vor allem wertstabilem Geld interessiert waren (S. 167-175). Diese Beispiele mögen genügen um aufzuzeigen, daß Svein Gullbekks Dissertation der Forschung, nicht zuletzt derjenigen zur Hansegeschichte, mannigfache Anregungen für die weitere Diskussion gibt. Durch eine ausführliche englische Zusammenfassung wird der Inhalt der Arbeit auch für Leser erschlossen, die nicht des Norwegischen mächtig sind.
Hendrik Mäkeler
Borys Paszkiewicz: Brakteaty – pieniądz średniowiecznych Prus (Złota Seria Uniwersytetu Wrocławskiego, 3) […], i: Geldgeschichtliche Nachrichten 46 (2011) 254, s. 111.
Rezension
Mit dem vorliegenden Band legt Borys Paszkiewicz, Professor am archäologischen Institut der Universität Breslau, eine grundlegende Neuordnung der preußischen Brakteaten vor. Die für einen deutschsprachigen Leser wichtigste Eigenschaft des umfangreichen Buches sei gleich vorweg hervorgehoben: Es verfügt eine ausführliche deutsche Zusammenfassung, die relativ kleinschrittig die darin enthaltenen Überlegungen zugänglich macht (S. 447-469). Continue reading “Borys Paszkiewicz: Brakteaty – pieniądz średniowiecznych Prus” »
Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute, München 2009. 255 s., Paperback. ISBN 978-3-406-58451-0. 14,95 €, i: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 97 (2010) 3, s. 412f.
Recension
Im Zuge der Finanzkrise haben verschiedene Verlage die Aktualität des Themas genutzt, um Bücher zum Thema „Geld“ auf den Markt zu bringen. Geschäftlich am erfolgreichsten waren dabei wohl die Verlage Allen Lane und Penguin Books mit „The Ascent of Money. A Financial History of the World“ von Niall Ferguson, das bei Econ und Ullstein auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. C.H. Beck ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und hat Michael North zu einer Neuauflage des Buches „Das Geld und seine Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ bewogen, die als „Kleine Geschichte des Geldes“ in der beck’schen Reihe erschienen ist. Kleiner geworden ist das Buch allerdings nur um die Endnoten und das Register, wobei letzteres wohl der Eile aufgrund des Drucktermins geschuldet ist. Zugleich ist der Band aber ein wenig gewachsen, da der Europäischen Währungsunion nun ein eigenes Kapitel gewidmet ist und abschließend – ganz aktuell – ein Fazit zu Krisen und Globalisierung gezogen wird. Continue reading “Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute” »
Helmut Rizzolli, Münzgeschichte des alttirolischen Raumes im Mittelalter und Corpus Nummorum Tirolensium Mediaevalium, Bd. 2: Die Meraner Münzstätte unter den Habsburgern bis 1477 und die Görzische Prägestätte Lienz-Toblach […], i: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65 (2009) 2, s. 725.
Recension
R. legte im Jahr 1991 einen ersten Band vor, der teilweise zugleich seine Innsbrucker Diss. darstellte. Darin ist der Zeitraum vom 12. Jh. bis zum Jahr 1363 behandelt, während der nun vorliegende zweite Teil des Werkes die daran anschließende Herrschaftszeit der Habsburger bis zur Verlegung der Meraner Münzstätte nach Hall in Tirol im Jahr 1477 dokumentiert. Continue reading “Helmut Rizzolli, Münzgeschichte des alttirolischen Raumes im Mittelalter und Corpus Nummorum Tirolensium Mediaevalium, Bd. 2: Die Meraner Münzstätte unter den Habsburgern bis 1477 und die Görzische Prägestätte Lienz-Toblach” »
Bernd Kluge, Numismatik des Mittelalters, Bd. 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi (SB Wien 769 = Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission 45) […], i: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65 (2009) 2, s. 724f.
Recension
Mit seinem Handbuch der Mittelalternumismatik hat sich K. einer herkulischen Aufgabe angenommen. Continue reading “Bernd Kluge, Numismatik des Mittelalters, Bd. 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi” »