Hendrik Mäkeler: Globalised monetary systems of the Viking age, in: The Yorkshire Numismatist 4 (2012), S. 135-139.
'Geldwesen'
Svein H. Gullbekk: Pengevesenets fremvekst og fall i Norge i middelalderen […], in: Hansische Geschichtsblätter 128 (2010), S. 303f.
Rezension
Svein Gullbekks 2003 an der Universität Oslo verteidigte Dissertation zum norwegischen Münzwesen des Mittelalters war bislang nur in einigen wenigen Exemplaren verfügbar, die im Rahmen des Promotionsverfahrens erschienen und in keiner öffentlichen deutschen Bibliothek verfügbar sind. Umso erfreulicher ist es daher, daß die Arbeit nun vom Kopenhagener Universitätsverlag veröffentlicht wurde, wenngleich zwischenzeitlich erschienene Literatur offenbar nur noch in Ausnahmefällen eingearbeitet werden konnte. Dabei ist ein bereits rein äußerlich ansprechender Band entstanden, der mit einem farbigen Schutzumschlag und sehr guten, vielfach farbigen Abbildungen daherkommt. Auf diese Weise erhält der Leser einen guten Eindruck von dem vor ihm ausgebreiteten Material, was insonderheit bei den relativ unscheinbaren Geprägen von Vorteil ist, die Gegenstand der Arbeit sind. Doch ist das Ziel des Verfassers keine ausschließlich numismatische Darstellung. Vielmehr bewegt er sich zwischen den Fächergrenzen der Numismatik, Geldgeschichte und Wirtschaftsgeschichte und beleuchtet auf diese Weise sowohl die Organisation als auch die Funktion und den Verbreitungsgrad des Münzgeldes in der mittelalterlichen norwegischen Gesellschaft. Abschließend wird auch die übergeordnete Frage nach der Entwicklung der Geldwirtschaft behandelt. Drei Kapitel verdienen dabei besonderes Interesse. Erstens dasjenige über Münzen in der Gesetzgebung (S. 106-128), in dem von den legislativen Bemühungen des Königtums zur Durchsetzung des Münzgebrauchs anstelle des Tauschhandels berichtet wird. Diese Bemühungen sind vor dem Hintergrund des Münzgewinns zu sehen, den es durchzusetzen galt. Zweitens ist das Kapitel über das Münzwesen als Einkunftsquelle des Königtums (S. 129-161) zu nennen, in dem Gullbekk von bedeutenden Einnahmen ausgeht, zu denen man allerdings nicht selten auf dem Wege starker Geldwertverringerungen gelangte. Es ist daher wenig überzeugend, das Münzwesen in diesem Zusammenhang als ein „ökonomisches Sicherheitsventil“ zu verstehen, das eine Herrschaftsfinanzierung ohne „zusätzliche wirtschaftliche Belastungen“ für die Bevölkerung ermöglicht habe (S. 155f.). Drittens schließlich scheint der Abschnitt über Geldwirtschaft in den Städten und Tauschwirtschaft auf dem Lande (S. 207-231) erwähnenswert. Darin macht der Verfasser auf die ungewöhnliche Tatsache aufmerksam, daß in Norwegen mehr mittelalterliche Münzen auf dem Lande als in den Städten gefunden werden. In jedem Fall ergänzten Münzen und Naturalien einander als Bezahlungsmittel. Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass die Untersuchung auch auf die Rolle fremder Münzen im norwegischen Geldumlauf eingeht, darunter vor allem der deutschen und englischen Münzen. Das norwegische Münzwesen reflektiert auf diese Weise naturgemäß die zeitgenössischen Handelsaktivitäten ebenso wie die Schwäche der norwegischen Könige bei dem Versuch, ihre auf die Ausnutzung des Münzgewinns ausgerichteten Interessen gegen diejenigen der Hansekaufleute durchzusetzen, die an überregional gültigem und vor allem wertstabilem Geld interessiert waren (S. 167-175). Diese Beispiele mögen genügen um aufzuzeigen, daß Svein Gullbekks Dissertation der Forschung, nicht zuletzt derjenigen zur Hansegeschichte, mannigfache Anregungen für die weitere Diskussion gibt. Durch eine ausführliche englische Zusammenfassung wird der Inhalt der Arbeit auch für Leser erschlossen, die nicht des Norwegischen mächtig sind.
Hendrik Mäkeler
University of Leeds, International Medieval Congress 2011, 11.-14. Juli 2011: “Globalised monetary systems of the Viking Age”
Abstract
The medieval monetary system was globalised by and large, at least it covered most of the by then known world. However, the resulting implications have never been studied systematically before. Yet, there is a sincere economic interest in international monetary systems that were in exist before the idea of sovereignty arose: A globalised economy, where institutions and states alike are losing their power to steer capital flows, can profit a lot from lessons learned by societies a thousand years ago, equally lacking all-embracing power structures. This is especially valid for Viking Age monetary systems as Anglo-Saxon and German coinages circulated to a high degree far distant from their place of origin. The same is true for modern U.S.-Dollar-banknotes, too…
Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute, München 2009. 255 S., Paperback. ISBN 978-3-406-58451-0. 14,95 €, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 97 (2010) 3, S. 412f.
Rezension
Im Zuge der Finanzkrise haben verschiedene Verlage die Aktualität des Themas genutzt, um Bücher zum Thema „Geld“ auf den Markt zu bringen. Geschäftlich am erfolgreichsten waren dabei wohl die Verlage Allen Lane und Penguin Books mit „The Ascent of Money. A Financial History of the World“ von Niall Ferguson, das bei Econ und Ullstein auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. C.H. Beck ist ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und hat Michael North zu einer Neuauflage des Buches „Das Geld und seine Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ bewogen, die als „Kleine Geschichte des Geldes“ in der beck’schen Reihe erschienen ist. Kleiner geworden ist das Buch allerdings nur um die Endnoten und das Register, wobei letzteres wohl der Eile aufgrund des Drucktermins geschuldet ist. Zugleich ist der Band aber ein wenig gewachsen, da der Europäischen Währungsunion nun ein eigenes Kapitel gewidmet ist und abschließend – ganz aktuell – ein Fazit zu Krisen und Globalisierung gezogen wird. Continue reading “Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute” »
Leider ist der Eintrag nur auf Svenska verfügbar.
Symposium „Mynt, makt och människor – vikingatidens silverpenningar“, Königliches Münzkabinett, Stockholm, 27. März 2010: „Vad kan ett globaliserat penningsystem lära av vikingatidens myntväsende?“ Continue reading “Was kann ein globalisiertes Währungssystem vom Münzwesen der Wikingerzeit lernen?” »
Im Rahmen der Dissertation zum „Reichsmünzwesen im späten Mittelalter“, die von Prof. Dr. Gerhard Fouquet (Kiel) betreut wurde, ist das Geldwesen der deutschen Lande im 14. Jahrhundert untersucht worden. Dabei stand die königliche bzw. kaiserliche Münzprägung im Mittelpunkt des Interesses. Der Begriff „Geldwesen“ wurde in der Arbeit bewußt weit gefaßt, die von der eigentlichen Münzprägung über den Geldgebrauch bis hin zum geldtheoretischen Verständnis des 14. Jahrhunderts die verschiedensten geldgeschichtlichen Aspekte umfaßt. Ziel der Untersuchung war dabei nicht zuletzt, die Menschen in ihrem alltäglichen – und daher nur selten in den Quellen greifbaren – Umgang mit dem (Münz‑)Geld zu beobachteten.
Die Arbeit ist als 209. Beiheft der Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte unter dem Titel “Reichsmünzwesen im späten Mittelalter. Teil 1: Das 14. Jahrhundert” erschienen.
Wolfgang Trapp / Torsten Fried, Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland […], in: Bankhistorisches Archiv 32 (2006), S. 147f.
Rezension
Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um die Neuauflage eines Reclam-Bändchens, das 1999 in erster Auflage von Wolfgang Trapp (1918-2003) unter dem Titel „Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland“ herausgebracht worden ist (siehe dazu die Rezension von Konrad Schneider im Bankhistorischen Archiv 27 [2001], S. 85). Dem veränderten Titel zum Trotz sind allerdings bei der Neuauflage sowohl das Format als auch der Seitenumfang unverändert geblieben. Continue reading “Wolfgang Trapp / Torsten Fried, Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland” »
Hubert Emmerig: Der Freisinger Münzschatzfund und das Geldwesen in Bayern zur Karolingerzeit. Mit einer Auswertung des Freisinger Traditionsbuches als geldgeschichtlicher Quelle, in: Ulrike Götz (Hrsg.): 38. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising (2004) […], in: Geldgeschichtliche Nachrichten 40 (2005) 223, S. 156.
Rezension
Bei dem Münzschatzfund von Freising handelt es sich um den einzigen karolingerzeitlichen Depotfund aus dem bayerischen Raum. Nachdem der Fund 1938 bei Ausschachtungsarbeiten gemacht worden war, galt er der numismatischen Forschung bald als verloren und wurde erst 1998 zu großen Teilen im Stadtarchiv Freising wiederentdeckt. Hubert Emmerig hat im ersten Teil dieses umfänglichen Aufsatzes eine akribische Rekonstruktion der Fundgeschichte und der beteiligten Personen vorgelegt Continue reading “Hubert Emmerig: Der Freisinger Münzschatzfund und das Geldwesen in Bayern zur Karolingerzeit. Mit einer Auswertung des Freisinger Traditionsbuches als geldgeschichtlicher Quelle” »
