Religion im Spiegel von Münzen und Medaillen, 10. Deutsches / 58. Norddeutsches Münzsammlertreffen, Münster, 24.-25. Mai 2013: “Geld und Gott. Zum Geldverständnis der mittelalterlichen Theologen”
'Mittelalter'
Querbezüge zwischen Mittelalternumismatik und Geldtheorie. Zur Deutung wikingerzeitlicher Depotfunde
Hendrik Mäkeler: Querbezüge zwischen Mittelalternumismatik und Geldtheorie. Zur Deutung wikingerzeitlicher Depotfunde, in: Gerd Dethlefs, Arent Pol und Stefan Wittenbrink (Hrsg.): NUMMI DOCENT! Münzen – Schätze – Funde. Festschrift für Peter Ilisch zum 65. Geburtstag am 28. April 2012, Osnabrück 2012, S. 79-91.
Alexander Jung, Dietmar Pieper und Rainer Traub (Hrsg.): Geld macht Geschichte. Kriege, Krisen und die Herrschaft des Kapitals seit dem Mittelalter […], in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 98 (2011) 2, S. 258.
Rezension
Mit dem vorliegenden Buch feiert die Spiegel Geschichte-Ausgabe 4/2009 („Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronologie des Kapitals“) eine Wiederauferstehung in Buchgestalt. Den Ursprungstext hat man dabei weitgehend unverändert übernommen; lediglich ein kurzes Vorwort ist hinzugefügt worden. Darin finden sich bereits viele problematische Bewertungen, etwa diejenige, Griechenland stehe „infolge der Finanzkrise […] am Rande des Staatsbankrotts“ (S. 11). Mithin wird die zugrundeliegende langjährige Mißwirtschaft verschwiegen und auf diese Weise eine Kapital(ismus)kritik geübt, die bereits im Titel des Buches angedeutet ist und sich zwischen den Buchdeckeln stellenweise fortsetzt. Dagegen findet man im Vorwort keinen Hinweis auf den Entstehungszusammenhang der in dem Band enthaltenen Beiträge. Dies wäre allerdings notwendig gewesen, um rechtzeitig die Erwartungen der Leser zu dämpfen, die in einem Buch üblicherweise hochwertigere Beiträge als in einem Magazin vermuten dürften. Ein Lektorat der Texte hat bei der Umarbeitung in Buchform augenscheinlich nicht stattgefunden, wodurch zumindest einige augenfällige Fehler hätten ausgemerzt werden können. So ist in dem einleitenden Interview mit Niall Ferguson, dem Autor einer englischen Dokumentation zur Geschichte des Geldes, die 2009 mit einem Emmy ausgezeichnet wurde, der englische Begriff für Tauschhandel nach wie vor falsch mit „Barterhandel“ übersetzt (S. 19). Zudem hätte bei einer redaktionellen Überarbeitung auffallen können, daß die Beiträge von Werner Plumpe zu „Lehren aus dem Gründerkrach“ und von Alexander Jung, der „Das Fanal von 1929“ behandelt, einander direkt widersprechen. Während Plumpe in seinem lesenswerten Text betont, daß der Vergleich der heutigen Finanzkrise mit dem Crash von 1929 und der folgenden wirtschaftlichen Talfahrt unsinnig sei, ja geradezu den Blick auf frühere und erkenntnisförderlichere Phänomene verstelle, meint Jung „augenfällige“ Parallelen zwischen Großer Depression und Gegenwart zu erkennen. Überhaupt ist das Niveau der Beiträge ebenso weit gestreut wie deren inhaltliche Schwerpunkte, die vom Mittelalter bis in die Gegenwart reichen. Rainer Traub etwa vertritt in seinem Artikel zur kommerziellen Revolution des Mittelalters die Pirenne-These noch so, als sei sie nie widerlegt worden (was wohl endgültig durch Michael McCormicks 2001 veröffentlichte „Origins of the European Economy“ geschah). Nils Klawitter geht hingegen in seinem erfreulichen, offenbar auf einem Interview mit Winfried Reichert basierenden Beitrag dem christlichen Zinsverbot und dessen Folgen im Mittelalter nach. Insgesamt erhält man mit dem Band eine Ansammlung zumeist recht leichter Lesekost, die häufig in spiegeltypischer Weise aus knappen, polemischen Darstellungen besteht. Das Buch ist dadurch eine kurzweilige Lektüre, die allerdings fast durchgängig ziemlich oberflächlich ist und keinen bleibenden Eindruck hinterläßt. Wenn man das Werk lesen möchte, sollte man angesichts der zahlreicheren und farbigen Abbildungen aber lieber auf das (zudem noch billigere) Spiegel Geschichte-Heft zurückgreifen.
Hendrik Mäkeler, Uppsala
Svein H. Gullbekk: Pengevesenets fremvekst og fall i Norge i middelalderen […], in: Hansische Geschichtsblätter 128 (2010), S. 303f.
Rezension
Svein Gullbekks 2003 an der Universität Oslo verteidigte Dissertation zum norwegischen Münzwesen des Mittelalters war bislang nur in einigen wenigen Exemplaren verfügbar, die im Rahmen des Promotionsverfahrens erschienen und in keiner öffentlichen deutschen Bibliothek verfügbar sind. Umso erfreulicher ist es daher, daß die Arbeit nun vom Kopenhagener Universitätsverlag veröffentlicht wurde, wenngleich zwischenzeitlich erschienene Literatur offenbar nur noch in Ausnahmefällen eingearbeitet werden konnte. Dabei ist ein bereits rein äußerlich ansprechender Band entstanden, der mit einem farbigen Schutzumschlag und sehr guten, vielfach farbigen Abbildungen daherkommt. Auf diese Weise erhält der Leser einen guten Eindruck von dem vor ihm ausgebreiteten Material, was insonderheit bei den relativ unscheinbaren Geprägen von Vorteil ist, die Gegenstand der Arbeit sind. Doch ist das Ziel des Verfassers keine ausschließlich numismatische Darstellung. Vielmehr bewegt er sich zwischen den Fächergrenzen der Numismatik, Geldgeschichte und Wirtschaftsgeschichte und beleuchtet auf diese Weise sowohl die Organisation als auch die Funktion und den Verbreitungsgrad des Münzgeldes in der mittelalterlichen norwegischen Gesellschaft. Abschließend wird auch die übergeordnete Frage nach der Entwicklung der Geldwirtschaft behandelt. Drei Kapitel verdienen dabei besonderes Interesse. Erstens dasjenige über Münzen in der Gesetzgebung (S. 106-128), in dem von den legislativen Bemühungen des Königtums zur Durchsetzung des Münzgebrauchs anstelle des Tauschhandels berichtet wird. Diese Bemühungen sind vor dem Hintergrund des Münzgewinns zu sehen, den es durchzusetzen galt. Zweitens ist das Kapitel über das Münzwesen als Einkunftsquelle des Königtums (S. 129-161) zu nennen, in dem Gullbekk von bedeutenden Einnahmen ausgeht, zu denen man allerdings nicht selten auf dem Wege starker Geldwertverringerungen gelangte. Es ist daher wenig überzeugend, das Münzwesen in diesem Zusammenhang als ein „ökonomisches Sicherheitsventil“ zu verstehen, das eine Herrschaftsfinanzierung ohne „zusätzliche wirtschaftliche Belastungen“ für die Bevölkerung ermöglicht habe (S. 155f.). Drittens schließlich scheint der Abschnitt über Geldwirtschaft in den Städten und Tauschwirtschaft auf dem Lande (S. 207-231) erwähnenswert. Darin macht der Verfasser auf die ungewöhnliche Tatsache aufmerksam, daß in Norwegen mehr mittelalterliche Münzen auf dem Lande als in den Städten gefunden werden. In jedem Fall ergänzten Münzen und Naturalien einander als Bezahlungsmittel. Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass die Untersuchung auch auf die Rolle fremder Münzen im norwegischen Geldumlauf eingeht, darunter vor allem der deutschen und englischen Münzen. Das norwegische Münzwesen reflektiert auf diese Weise naturgemäß die zeitgenössischen Handelsaktivitäten ebenso wie die Schwäche der norwegischen Könige bei dem Versuch, ihre auf die Ausnutzung des Münzgewinns ausgerichteten Interessen gegen diejenigen der Hansekaufleute durchzusetzen, die an überregional gültigem und vor allem wertstabilem Geld interessiert waren (S. 167-175). Diese Beispiele mögen genügen um aufzuzeigen, daß Svein Gullbekks Dissertation der Forschung, nicht zuletzt derjenigen zur Hansegeschichte, mannigfache Anregungen für die weitere Diskussion gibt. Durch eine ausführliche englische Zusammenfassung wird der Inhalt der Arbeit auch für Leser erschlossen, die nicht des Norwegischen mächtig sind.
Hendrik Mäkeler
Borys Paszkiewicz: Brakteaty – pieniądz średniowiecznych Prus (Złota Seria Uniwersytetu Wrocławskiego, 3) […], in: Geldgeschichtliche Nachrichten 46 (2011) 254, S. 111.
Rezension
Mit dem vorliegenden Band legt Borys Paszkiewicz, Professor am archäologischen Institut der Universität Breslau, eine grundlegende Neuordnung der preußischen Brakteaten vor. Die für einen deutschsprachigen Leser wichtigste Eigenschaft des umfangreichen Buches sei gleich vorweg hervorgehoben: Es verfügt eine ausführliche deutsche Zusammenfassung, die relativ kleinschrittig die darin enthaltenen Überlegungen zugänglich macht (S. 447-469). Continue reading “Borys Paszkiewicz: Brakteaty – pieniądz średniowiecznych Prus” »
„Von außen schön, von innen schlimm“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Samstag, 16. Oktober 2010) 241, S. 22.
Helmut Rizzolli, Münzgeschichte des alttirolischen Raumes im Mittelalter und Corpus Nummorum Tirolensium Mediaevalium, Bd. 2: Die Meraner Münzstätte unter den Habsburgern bis 1477 und die Görzische Prägestätte Lienz-Toblach […], in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65 (2009) 2, S. 725.
Rezension
R. legte im Jahr 1991 einen ersten Band vor, der teilweise zugleich seine Innsbrucker Diss. darstellte. Darin ist der Zeitraum vom 12. Jh. bis zum Jahr 1363 behandelt, während der nun vorliegende zweite Teil des Werkes die daran anschließende Herrschaftszeit der Habsburger bis zur Verlegung der Meraner Münzstätte nach Hall in Tirol im Jahr 1477 dokumentiert. Continue reading “Helmut Rizzolli, Münzgeschichte des alttirolischen Raumes im Mittelalter und Corpus Nummorum Tirolensium Mediaevalium, Bd. 2: Die Meraner Münzstätte unter den Habsburgern bis 1477 und die Görzische Prägestätte Lienz-Toblach” »
Bernd Kluge, Numismatik des Mittelalters, Bd. 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi (SB Wien 769 = Veröffentlichungen der Numismatischen Kommission 45) […], in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 65 (2009) 2, S. 724f.
Rezension
Mit seinem Handbuch der Mittelalternumismatik hat sich K. einer herkulischen Aufgabe angenommen. Continue reading “Bernd Kluge, Numismatik des Mittelalters, Bd. 1: Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi” »
