Hendrik Mäkeler >

'TARGET2'

Verlorenes Jahrzehnt der Europapolitik

Zu Michael C. Burda u.a.: Stellungnahme „Zur Europäischen Bankenunion“

Die Dekade nach der Einführung des Euro im Jahr 1999 wird wohl als verlorenes Jahrzehnt der Europapolitik in die Geschichte eingehen. Eine grundlegende politische Fortentwicklung Europas fand in dieser Zeit nicht statt, wofür das Scheitern des „Vertrags über eine Verfassung für Europa“ von zentraler Bedeutung war. Die Währungsunion hätte eigentlich Motor der Fortentwicklung sein sollen, doch verringerte sie stattdessen den Anpassungsdruck zunächst durch die massiv gesunkenen Zinsen auf Staatsschulden und dann durch die „Querfinanzierung“ per TARGET2. Der Vorschlag zu einer „Entkopplung von Staatsfinanzen und Kreditversorgung“ ist daher zwar technisch richtig. In längerer Perspektive dürfte er sich aber als politisch naiv erweisen, da dadurch auf einer weiteren Ebene (mit entsprechend größeren finanziellen Risiken) der Integrationsdruck wesentlich gemindert würde. Das könnte vielleicht einige Zeit erkaufen. Diese würde jedoch kaum genutzt werden, eben weil es die „Entkopplung“ gäbe.

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Helmut Schlesinger über das Problem mit TARGET2

Zu Philip Plickert: Die Zeitbombe der Bundesbank

Neben den beiden Links im Text ist nicht zuletzt der ifo Schnelldienst 16/2011 zum Thema “Die europäische Zahlungsbilanzkrise” lesenswert. Helmut Schlesinger etwa faßt dort den Kern der Problematik so zusammen: “Es ist offensichtlich, dass für Länder mit hohen Zahlungsbilanzdefiziten der Zwang zum Abbau des Ungleichgewichts insoweit entfällt, als die Finanzierung des Defizits automatisch über das Target2-System ermöglicht wird. [...] Gleichwohl enthob die Finanzierung über Target2 lange Zeit die Defizitländer dem Anpassungszwang, der für alleinstehende Länder von den Marktkräften ausgeht. Ähnliches gilt für die Überschussländer, in denen es wegen der Zunahme der Target2-Forderungen zu keiner zusätzlichen Expansion der Geldmenge und damit zu keiner zusätzlichen Inlandsnachfrage kommt.” (S. 11)

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