Stötzner, Andreas (Hrsg.): Die Zeichen des Geldes

Stötzner, Andreas (Hrsg.): Die Zeichen des Geldes (Signa. Beiträge zur Signographie, 3) […], in: Geldgeschichtliche Nachrichten 43 (2008) 236, S. 54f.

 

Rezension

Die Einführung der Euro-Münzen und ‑Scheine im Jahr 2002 hat eine Vielzahl von Publikationen angeregt, die zu überblicken nicht immer ganz einfach ist. Dazu zählt auch ein Heft aus der Reihe „Signa. Beiträge zur Signographie“, das ganz zu Unrecht bislang offenbar noch in keiner numismatischen Zeitschrift gewürdigt worden ist. Es trägt den vielversprechenden Titel „Die Zeichen des Geldes“ (Abb. 1).

Doch zunächst einige Bemerkungen zu der Reihe „Signa“ insgesamt. Der Herausgeber Andreas Stötzner beschreibt deren Ziel wie folgt: „Die Reihe Signa widmet sich dem Thema Graphische Zeichen mit dem Ziel, ihre Erforschung, Gestaltung und Anwendung als Gegenstand einer eigenständigen Fachdisziplin zu entwickeln.“ Jedes Heft ist einem Einzelthema gewidmet, so etwa dem „Entwurf einer Lehre des graphischen Zeichens“ (Heft 1, 2000), dem Et-Zeichen (Heft 2, 2001) und der Frage, ob es ein großes ß gebe(n sollte), der in Heft 9 (2006) nachgegangen wird.

Aus signograpischem Blickwinkel beschäftigen sich auch die beiden in dem dritten Heft der Reihe enthaltenen Beiträge mit Währungs- und Gewichtszeichen. Der erste ist dem „Zeichen des Jahres“ 2002 (so das Vorwort S. 5) gewidmet: dem Eurozeichen. Gewichts- und Währungszeichen von der Antike bis in die Gegenwart behandelt der zweite Beitrag. Abgerundet wird das Heft durch Gestaltungsvorlagen für das Euro-Zeichen (S. 45) sowie ein Register der Gewichts- und Währungszeichen (S. 46f., inzwischen aktualisiert im Internet unter http://www.signographie.de/ cms/signa_3.htm).

In dem ersten Beitrag „Schwere Geburt. Vom Euro-Logo zum Euro-Schriftzeichen“ (S. 6-17) verfolgt mit Jürgen Siebert ein ausgewiesener Kenner des Typographie-Geschäfts die Entstehung des Eurozeichens. Er kritisiert die Vorgabe eines offiziellen Euro-Logos in Form einer technischen Zeichnung, die den Schriftgestaltern zur Irritation gereicht habe, da das Zeichen in dieser standardisierten Form nicht unauffällig in die vorhandenen Schriftarten integrierbar war. Der historische Überblick „Zeichen und Werte. Gewichts- und Währungszeichen von der Antike bis heute“ (S. 18-43) des Leipziger Graphikers Andreas Stötzner zeigt allerdings auch eine historische Tradition für Währungszeichen auf, die sich aus dem Fließtext hervorheben: „Das Wesen eines typisierten Währungszeichens zeichnet sich durch zwei Dinge aus: einerseits seine ursprüngliche Natur als geschriebenes Zeichen, andererseits muß es im Zusammenhang des Alphabetes sowohl harmonieren als auch von dessen Zeichen hinreichend unterscheidbar sein.“ (S. 35ff.) Er stellt zahlreiche Zeichen und ihren historischen Hintergrund vor, die abschließend in Tabellenform zusammengefaßt sind (Abb. 2). Auch für ergänzende Hinweise auf Münz- und Währungseinheiten, die ein eigenes graphisches Symbol ausgebildet haben, ist der Verfasser dankbar.

Andreas Stötzner hat sich jedoch noch in weiterer Weise um die Bekanntheit der alten Währungszeichen verdient gemacht, indem er sie in die von ihm entworfene Schriftart Andron eingebunden hat. Auf diese Weise können die Währungszeichen nun auch wieder im Computersatz verwendet werden. Eine stark abgespeckte Version der Andron („Andron Scriptor Web“), die mit mehr als 1.500 Zeichen allerdings immer noch einen weitaus größeren Umfang als viele gewöhnliche Schriftarten aufweist, ist kostenfrei über die Internetpräsenz der Medieval Unicode Font Initiative (www.mufi.info) zu beziehen. So läßt sich nun endlich wieder über ₰ (Pfennig),  (Groschen),  (Schilling),  (Pfund),  (Mark),  (Gulden) und  (Reichstaler) schreiben, ohne daß man deswegen gezwungen ist, umständlich die entsprechenden Zeichen handschriftlich in das Manuskript einzufügen. Eine große Erleichterung!

Hendrik Mäkeler

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